Zu viel Zeug

Im Idealfall hat jeder Gegenstand, den Du besitzt, einen Nutzen, eine Funktion, einen materiellen oder ideellen Wert oder sonst einen Daseinszweck. Aber selbst in diesem Idealfall erfordert jeder Gegenstand einen fortwährenden Energieaufwand, und zwar spätestens ab dem Moment, in dem Du beginnst, über seine Anschaffung nachzudenken. Man muss ihn reinigen, pflegen, warten und reparieren. Selbst wenn man ein Ding kaum oder nie benutzt, muss man es umherräumen, um an andere Dinge heranzukommen oder um darum herum sauberzumachen. Jedes Ding verbraucht Platz, Zeit und Ressourcen. Davon hast Du aber nicht beliebig viel. Zeit ist kostbar.

Die Zu-Viel-Zeug-Plage

Kommt Dir das bekannt vor: Du öffnest einen Küchenschrank und willst eine große Salatschüssel herausholen. Gar nicht so einfach, denn darin stapeln sich vier oder fünf kleinere Schalen. Alle sind aus Glas oder Porzellan und alles zusammen ist echt schwer. Beim Herauswuchten fällt Dir die eine oder andere Tupperdose entgegen – und grrrrrrr schon bist Du genervt: Zu viel Zeug! Und wem gehört überhaupt diese monströse Plastikschüssel, die neulich bei der Party liegengeblieben ist?!

Die Zu-viel-Zeug-Plage tritt auch in Zusammenhang mit Einkaufstüten und -taschen, gehortetem Geschenkpapier samt Bändchen, bei Kleiderbügeln, T-Shirt-Stapeln, Handtüchern und Putzmitteln auf. Jeder hat da seine Baustellen, stimmt’s?

Das ist kein Wunder. Unsere Gesellschaft basiert schließlich auf Überfluss. Ich will aber heute keine Konsumkritik betreiben, sondern auf ein Phänomen hinweisen. Bist Du auch schon einmal an einem Punkt angelangt, wo Dir Dein eigener Besitz über den Kopf zu wachsen schien? Ich kenne jedenfalls das Gefühl, wenn scheinbar nicht mehr ich die Dinge besitze, sondern die Dinge mich.

Dann wird es Zeit zu REDUZIEREN. Das ist so ein schönes Wort! Es bedeutet verringern, verkleinern, oder ganz wörtlich ZURÜCKFÜHREN. Hier: auf die richtige Menge und an den richtigen Ort zurückführen. Ich verwende nicht gerne die Begriffe Ausmisten oder Entrümpeln. Eine Wohnsituation kann erstickend und überfordernd sein, obwohl kaum ein Gegenstand einzeln betrachtet Mist oder Gerümpel ist! Es ist nur insgesamt zu viel, dazu meist noch zu viel vom Gleichen. Oder es gibt keine einheitliche Linie und kein Ordnungssystem oder keinen Stauraum oder Dein Geschmack hat sich eben verändert. Oder die Lebensumstände.

Befreie Dich

Beginne mit Dingen, die Du in höherer Stückzahl besitzt und trage diese vollständig an einem Ort zusammen. Wenn Du zum Beispiel Handtücher nicht nur im Bad, sondern auch im Kleiderschrank, im Gästebad, bei den Sportsachen und in der Strandtasche verstaut hast, kann Dir das ein Aha-Erlebnis verschaffen. Frage Dich, wie viele Exemplare Du wirklich brauchst und dann reduziere die Menge auf eine Zahl, mit der Du Dich wohlfühlen wirst. Arbeite Dich vor zu Dingen mit kleinerer Stückzahl und schließlich zu Einzelgängern wie der Yogamatte, den Schlittschuhen oder dem Waffeleisen. Möglicherweise hast Du das schon lange nicht mehr benutzt und wirst es auch so schnell nicht …

Wenn es Dir gelingt, das Hergeben als Resultat von Überfluss zu sehen, fällt Dir der Prozess viel leichter und es macht sogar Spaß. Außerdem findest Du eher jemanden, der aus der Fülle etwas annimmt, als wenn Du das Gefühl vermittelst, Du wolltest nur Dein „Gerümpel“ bequem entsorgen. Auf beiden Seiten ist das Ergebnis: Dankbarkeit.


Bildnachweis: Titelfoto via Shutterstock

BuchTipp
Magic Cleaning von Mari Kondo hat den Ansatz: Was Dich glücklich macht, darfst Du ohne Wenn und Aber behalten. Was keine Erfüllung bringt, fliegt raus. Das ist radikal und hilft!

Zitat: “Aufräumen ist der kürzeste Weg zur Selbsterkenntnis. Ihr Besitz, also alles, was Sie umgibt, erzählt Ihnen die Geschichte Ihrer Entscheidungen. Das Aufräumen ist wie eine Inventur Ihrer Persönlichkeit, bei der Sie entdecken, wer Sie sind und was Sie wirklich wollen.”

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